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Köln lässt sich volllaufen.

Es gibt ja nichts Tragikomischeres als den Kölner U-Bahn-Bau.

Zuerst rutscht den Deppen das Stadtarchiv nebst angrenzenden Häusern in die Grube, unglücklicherweise sogar mit dem Verlust von Menschenleben. Dann kommt raus, dass irgendwelche Arbeiter 80 % der zur Stabilität nötigen Stahlbügel lieber vercheckt als eingebaut haben. Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, kommt jetzt auch noch die Schneeschmelze und es müsste schon mit dem Teufel zu gehen, wenn Vater Rhein nach diesem Rekordwinter nicht über 6,50 Meter steigen würde. Was dazu führte, dass die Baugrube für den neuen, großen, schönen Umsteigebahnhof am Heumarkt leider geflutet werden müsste. Kostenpunkt: nochmal ein paar Milliönchen für die steuersubventionierten Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Aber was soll’s, das ist halt Kölle!

Und genau das ist das Erschreckendste an der ganzen Sache: nämlich die Reaktion der meisten Kölner in meinem erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis. Hier wird die ganze Sache nämlich eher mit Lokalkolorit-verbrämter Verklärung bewertet. Ja, Köln wird durch solche Stories für diese Patrioten eher noch knuffiger und liebenswerter! Die finden das super, das macht Köln in deren Augen aus! Was für eine gute Gelegenheit den lieben Kölnern mal wieder mit Dietmar Wischmeyers analytischer Härte vor Augen zu führen, in was für einem lächerlichen Loch sie bei Licht betrachtet doch wohnen.

Offensichtlich keine Kölnerin ist meine Lieblings-Moderatorin Katrin Schmick vom WDR, einer der wenigen Gründe, Radiogebühren zu zahlen. Die Dame hatte das große Glück, den KVB-Chef Jürgen Fenske interviewen zu dürfen. Herr Fenske hatte offensichtlich noch nicht ganz realisiert, dass er mit einem hellen Kopf vom Niederrhein sprach, der durchaus imstande ist, weiter als von der Wand bis zur Tapete zu denken. Und die einfach nicht gewillt war, ihm die Geschichten von den „zusätzlichen Sicherungen“, welche „eigentlich gar nicht nötig“ wären und die die KVB „nur Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls der Kölner“ und aus Liebe zur Domstadt einbauen. Frau Schmick, die sich sonst durchaus in der Gewalt hat, wurde im Verlauf der Fenske’schen Märchenerzählung immer ungehaltener und am Schluss richtig sauer, was für jeden treuen Hörer deutlich zu spüren war. Und der gute Herr Fenske stieg, drücken wir es mal vorsichtig aus, nicht als Punktsieger aus dem Radio-Ring.

Ich habe so das „Jeföhl“, dass wir mit dieser Kölner U-Bahn-Sache noch sehr, sehr viel Spaß haben werden.