Kategorie: Life Knowledge

Wort-Bild-Schere, Karnevals-Edition.

Es gibt in der Werbung etwas, das wir „Wort-Bild-Schere“ nennen. Wir Werbeschaffenden bezeichnen damit die Stelle in einem Film, wenn Gesehenes und Gesagtes nicht zusammen passen. Dies trägt gemeinhin nicht zum Verständnis der zu vermittelnden Werbebotschaft. Tritt so was auf, dann tust du als Werbefuzzi gut daran, das im Editing auszubügeln oder am besten den Film gleich so zu machen und freigeben zu lassen, dass du vor solch einem Problem gar nicht stehst.

Karnevalssamstag habe ich so eine Wort-Bild-Schere live und in Farbe gesehen. Wie es dazu kam? Ich habe mich zähneknirschend in den „Kuhstall“ eine berüchtigte Abproll-Destination auf der Bolkerstraße (einer berüchtigten Abproll-Straße in der Düsseldorfer Altstadt) mitschnacken lassen.

Im Kuhstall gibt es einen DJ. Vermutlich nennt er sich sogar noch „Discjockey“ oder gar „Schallplattenalleinunterhalter“. Der Mann versteht grundsätzlich sein Handwerk und gibt der anwesenden Mischpoke, was diese hören will. Oléolé! Dabei trägt er (natürlich) einen Schnauzer. Vermutlich heißt er Burkhardt. Wir erinnern uns an die legendäre Textzeile aus „Supermann und Mondgesicht“ vom Fetten Brot: „Den DJ machte Burkhardt, ein guter Handballtorwart, sein Gesicht zierte ein Schokoriegel-großer Schnurrbart“.

Eskalation im Kuhstall. Nur Burkhardt lässt das kalt.

Eskalation im Kuhstall. Nur Burkhardt lässt das kalt.

Nun ja. Dieser nicht mehr ganz junge Mann verrichtet sein Tag-, oder, besser gesagt, Nachtwerk mit einer derartig stoischen Ruhe, dass man davor den Hut ziehen muss. Dabei lässt er es natürlich nicht aus, die tobende Masse mit gut abgehangenen Motivationssprüchen à la „Zicke-Zacke-Zicke-Zacke-Heu-Heu-Heu“ in „Stimmung“ zu bringen. Dagegen ist ja auch überhaupt nix zu sagen. Wie schon erwähnt, „Burkhardt“, oder wie auch immer der Kollege heißt, versteht sein Handwerk.

Richtig lustig wird es allerdings, wenn man den Plattenaufleger dabei mal beobachtet. Der verzieht nämlich keine Miene. Während die Tonspur allerbeste Eskalation suggerieren will, vermittelt Burkis Gesicht eher totale Trauer – oder zumindest fortgeschrittene Langeweile. Das findet man beim ersten Mal merkwürdig, beim zweiten Mal lustig und ab dem dritten Mal musste ich es tunlichst vermeiden, den Blick in Richtung DJ-Pult zu richten, um mein Zwerchfell für den weiteren Verlauf des Abends nicht zu überlasten. Das sieht so drollig aus! Ich habe Burki, den saucoolen Plattenaufleger vom Mickie-Krause-Planeten, jedenfalls voll ins Herz geschlossen. Burkhardt, der Mann, der nur einen Gesichtsausdruck kennt! Um es im Kuhstall-Deutsch zu sagen: I mog di!

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Suizid auf zwei Rädern.

Motorradfahrer werden gerne mal salopp „Organspender“ genannt. Und oft auch zu Recht, besonders an sonnigen Frühlingswochenenden im Bergischen Land oder in der Eifel. Tja, ein bisschen Schwund ist halt immer.

In Düsseldorf, der wunderschönen Landeshauptstadt am Rhein, ist man auch in diesem Punkt mal wieder einen Schritt weiter als die verhasste Provinz. Denn wir aufgeklärten Städter brauchen dafür kein Motorrad. Uns reicht das Rad, ganz ohne Motor. In Kombination mit einer unserer innerstädtischen Tagenten, der Graf-Adolf-Straße, ergibt sich eine erfrischend destruktive Kombination für Körper und Geist.

Den Körper stellen hier die Radfahrer zur Verfügung, die, so sie mal wieder von der Auto fahrenden Spezies versehentlich übersehen oder gar absichtlich ignoriert werden, in variantenreicher Vielfalt in die verschiedensten Teile gerissen werden.

Man muss dazu nämlich wissen, dass die Graf-Adolf-Straße eigentlich schon für zwei PKW nebeneinander zu schmal ist, von LKW oder Bussen wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst anfangen zu fabulieren, dann bricht im morgendlichen Berufsverkehr ohnehin mit schönster Regelmäßigkeit das Vollchaos aus.

Trotzdem gibt es immer wieder hirnamputierte Rad-Amöben, die sich trotz paralell verlaufender lauschiger Nebensträßchen genötigt fühlen, auf der GAS den Gefahrensucher zu spielen. Mit nicht selten vorkommenden, oben genannten Konsequenzen.

Ein Radler überquert die Kö. Dahinter beginnt der Radweg. Fast hat der Tollkühne es geschafft!

Ein Radler überquert die Kö. Dahinter beginnt der Radweg. Fast hat der Tollkühne es geschafft!

Kommen wir aber nun zum Geist. Auf den gehen die Zweirad-Artisten nämlich allen anderen. Weil sie etwas tun, dass nicht nur a) für sie selbst supergefährlich ist, sondern auch b) für sie auf keinster Weise schön sein kann. Deshalb können ich und meine Leidensgenossen, die wir uns unseren täglichen Weg über die GAS im Auto oder auf der Vespa bahnen müssen, für die radelnden Daredevils auch keinerlei Verständnis aufbringen.

Mein Kollege Harald, ein drahtiges Sportmodell ohne auch nur ein Gramm Fett am Körper, der jeden Morgen auf einem Kleinwagen-teuren Mountain-Bike aus dem schönen, aber auch 12 Kilometer entfernten Ludenberg in den Medienhafen strampelt, nimmt die Selbstmörder zwischen Worringer Platz und Königsallee überraschenderweise nicht einmal in Schutz. Er gehört netterweise zu den seltenen denkenden Radlern, die nicht der Meinung sind, ganz Düsseldorf müsse sich gefälligst nach ihrem entschleunigten Tempo richten. Er weicht auf die parallele Bahnstraße aus. Haben ja auch alle was davon. Danke dafür. Bleiben noch ca. 10.000 beratungsresistenter Fahrrad-Faschos, denen ich weiterhin jeden Morgen den Kampf ansage.

Waidmanns heil!

Wenn Rituale sich in Luft auflösen.

Es gibt so Tage, da wäre man lieber im Bett geblieben.

Heute ist so einer. Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste. Meine kleine Welt wird heute mit Macht aus den Angeln gehoben. Meine Leidensfähigkeit mit Nachdruck auf die Probe gestellt.

Ich pflege nämlich seit ich in Düsseldorf wohne ein bestimmtes Ritual, welches sich alle sechs Wochen mit schönster Regelmäßigkeit wiederholt.

Ich besuche in der Mittagspause meinen Friseur in der Lorettostraße, „Starschnitt“ mit Namen. Dort lasse ich mir dann die immer gleiche Frisur schneiden. Oder zumindest das, was ich für eine Frisur halte. Das Leben braucht Beständigkeit.

Danach gehe ich die Straße runter und esse im dortigen, von einer koreanischen Familie betriebenen Schnellrestaurant „Loretto-Grill“, einer Oase der Bodenständigkeit im eigentlich komplett gentrifizierten Unterbilk, das Gericht „Tang Su Yuk“. Fragt mich nicht, was das ist. Es schmeckt jedenfalls super. Vermutlich ist es Hund.

Heute musste ich zuerst beim Haarewaschen erfahren, dass der Starschnitt zu macht. „Hier kommt aber wieder ein Friseur rein“, teilte mir meine türkische Lieblings-Frisilette mit, „aber erstmal wird der komplette Laden renoviert, die reißen alles raus.“ Adieu, geliebte Schäbigkeit! Vermutlich kommt da so ein überteuerter Szene-Schnippler rein, 30 Euro der Trockenhaarschnitt, für das Pack aus den umliegenden Werbeagenturen. Zum Kotzen!

Nun ja, daraufhin ging ich also wieder zum Loretto-Grill. Diesen Teil würde man mir nicht nehmen können, diesen Teil nicht, da war ich mir sicher. Und dann sah ich das:

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Fazit des erst angebrochenen Tages: Ich will auf’n Arm!

Spinning mit Sadisten-Silke.

Ich hab’s durchgezogen. Ich bin wieder Mitglied eines Fitnessstudios.

Und der Kurs „Easy Cycling“ erschien mir schon vom Namen her sympathisch. Eine geschmeidige Radtour zu schmissiger Musik mit dem Blick auf die knackigen Hintern meiner drahtigen Mit-Radlerinnen. Wie geschaffen für mich, den unfitten Wiedereinsteiger. Eine Flirt-Hochburg für Single-Männer. Entspanntes Radeln mit hochem Zuzwinker-Faktor. So hatte ich mir das vorgestellt. Tja. Falsch vorgestellt.

Das Problem geht schon damit los, dass man beim Spinning selbst entscheiden kann, wie hoch der Trittwiderstand ist. Sowas bietet man einem leicht übergewichtigen Ehrgeizling wie mir natürlich nicht ohne Hintergedanken an. Das Ergebnis ist leider, dass man den Trittwiederstand viel zu hoch einstellt. Man will ja keine Lusche sein. Und in den ersten 10 bis 15 Minuten geht das ja auch noch gut. Lockeres Einradeln zu schnuffigen Ambient-Sounds. Dufte hier! Dann kommt der erste Berg, und man wird aufgefordert, den Trittwiederstand höher zu drehen. Noch höher? Nun gut, die Trainerin, ein übersportliches Kurzhaarmodell, das sich als „Silke“ vorstellt, wird ja schon wissen, was sie tut. 6 Minuten bergauf. Im Stehen! Nach einer Minute glühen die Knie, nach einer weiteren Minute der ganze Körper! Der Schweiß läuft in Sturzbächen über den Lenker und schon bald steht mein Rad in einer kleinen Pfütze. Noch drei Minuten! Sadisten-Silke peitscht die Truppe mit gut abgehangenen Motivationssprüchen noch vorne. Naja, zumindest den Teil der Truppe, der nicht ich ist. An mir perlen solche durchschaubaren Tschacka-Sprüche ja spurlos ab. Ich bin dafür zu alt. Und vor allem zu schlau.

Nach einer halben Stunde häufen sich die Blicke auf die rechts von mir hängende Uhr. Das kleine, dicke Mädchen neben mir deutet meine Blicke in Richtung Uhr wohl als Flirtversuch und lächelt gequält. Oh je! Ich will hier raus! Dumm nur, dass man trotz heftigster Strampelei nicht von der Stelle kommt.

25 Minuten später ist nicht nur die Trainingseinheit am Ende – ich bin es auch! Und trotzdem glücklich! Stalingrad war bestimmt nichts dagegen. Soll die Freibad-Saison doch kommen!

Köln lässt sich volllaufen.

Es gibt ja nichts Tragikomischeres als den Kölner U-Bahn-Bau.

Zuerst rutscht den Deppen das Stadtarchiv nebst angrenzenden Häusern in die Grube, unglücklicherweise sogar mit dem Verlust von Menschenleben. Dann kommt raus, dass irgendwelche Arbeiter 80 % der zur Stabilität nötigen Stahlbügel lieber vercheckt als eingebaut haben. Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, kommt jetzt auch noch die Schneeschmelze und es müsste schon mit dem Teufel zu gehen, wenn Vater Rhein nach diesem Rekordwinter nicht über 6,50 Meter steigen würde. Was dazu führte, dass die Baugrube für den neuen, großen, schönen Umsteigebahnhof am Heumarkt leider geflutet werden müsste. Kostenpunkt: nochmal ein paar Milliönchen für die steuersubventionierten Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Aber was soll’s, das ist halt Kölle!

Und genau das ist das Erschreckendste an der ganzen Sache: nämlich die Reaktion der meisten Kölner in meinem erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis. Hier wird die ganze Sache nämlich eher mit Lokalkolorit-verbrämter Verklärung bewertet. Ja, Köln wird durch solche Stories für diese Patrioten eher noch knuffiger und liebenswerter! Die finden das super, das macht Köln in deren Augen aus! Was für eine gute Gelegenheit den lieben Kölnern mal wieder mit Dietmar Wischmeyers analytischer Härte vor Augen zu führen, in was für einem lächerlichen Loch sie bei Licht betrachtet doch wohnen.

Offensichtlich keine Kölnerin ist meine Lieblings-Moderatorin Katrin Schmick vom WDR, einer der wenigen Gründe, Radiogebühren zu zahlen. Die Dame hatte das große Glück, den KVB-Chef Jürgen Fenske interviewen zu dürfen. Herr Fenske hatte offensichtlich noch nicht ganz realisiert, dass er mit einem hellen Kopf vom Niederrhein sprach, der durchaus imstande ist, weiter als von der Wand bis zur Tapete zu denken. Und die einfach nicht gewillt war, ihm die Geschichten von den „zusätzlichen Sicherungen“, welche „eigentlich gar nicht nötig“ wären und die die KVB „nur Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls der Kölner“ und aus Liebe zur Domstadt einbauen. Frau Schmick, die sich sonst durchaus in der Gewalt hat, wurde im Verlauf der Fenske’schen Märchenerzählung immer ungehaltener und am Schluss richtig sauer, was für jeden treuen Hörer deutlich zu spüren war. Und der gute Herr Fenske stieg, drücken wir es mal vorsichtig aus, nicht als Punktsieger aus dem Radio-Ring.

Ich habe so das „Jeföhl“, dass wir mit dieser Kölner U-Bahn-Sache noch sehr, sehr viel Spaß haben werden.

Do-ski-danja.

Was haben wir sie gehasst, die Holländer!

Orangenes Pack, nervtötende Stemmbogen-Artisten, daueraufdensackgehende Gute-Laune-Bande! Furchtbar!

Doch schon vor vier Jahren, als in der Ischgler Therme abends nur Russisch durch die Gewölbe schallte, ahnte ich Böses. Und zwei Jahre später, als ich mit Nadine in einem Zillertaler 6er-Sessellift saß, links von uns zwei Russen, rechts von uns zwei Russen, wusste ich, das dies der Beginn einer wunderbaren Freundschaft sein würde. Nämlich der Freundschaft zwischen den Deutschen und den … *tieflufthol* … *seufz* … Niederländern! Keine Liebesheirat, eher eine Vernunftehe.

Wie konnte es soweit kommen?

Es ist ja seit langem bekannt, dass die Oberen Zehntausend des ehemaligen Zarenreichs sich inzwischen in den Nobel-Skiorten der Alpen breitmachen. Zuerst waren sie in St. Moritz, schon bald kam St. Anton dazu, später Ischgl, Chamonix, Verbier, Davos, Gstaad. Überall wo es chic und (vor allem) teuer war und ist, strömten die pelzbejackten Russinen nebst ihren geldprolligen Macho-Pseudo-Zaren in die bislang schöne Winterwelt. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis sich die etwas weiter unteren Hunderttausend in der Breite breitmachen würden. Fast nirgendwo ist man mehr sicher vor den neureichen Gazprom-Prolls. Ischgl ist hierbei fest in Ukrainischer Hand – da kommt also noch die Gefahr hinzu, das man, äußert man sich abfällig über die Ostvasion, von Vitali und Wladimir eins auf die Omme bekommt. Na, herzlichen Glückwunsch! Selbst gänzlich unglamouröse Orte wie Ziller- und Ötztal sind inzwischen keine sicheren Rückzugsorte mehr vor der Zielgruppen-Erweiterung gen Osten. Österreich und Schweiz scheinen inzwischen komplett verrusst.

Im russischen Fahrwasser schippern übrigens die Polen, Tschechen und Ungarn. Die sind allerdings in der Regel ärmer und deshalb tendenziell weniger nervig. Außerdem bereichern sie die Skigebiete mit überdurchschnittlich schönen Frauen, die zur Abwechslung nicht alle platinblondiert sind und nicht aussehen wie Moskauer Edel-Prostituierte. Die dürfen also gerne weiterhin kommen.

Als kleine Wiedergutmachung scheinen die Russen allerdings um einiges besser Skifahren zu können als die Holländer. Das ist ja aber auch keine große Kunst, schließlich haben die Russen zum Üben Kaukasus und Ural. Und was haben die Holländer? Zwei Mal Snowworld, Landgraaf und Zoetermeer. Ich war früher ja der Ansicht, dass man die Erlaubnis zum Skifahren nur an Leute erteilen sollte, die nicht aus flachen Ländern stammen. Naja, aber das war früher. Bevor die Russen kamen.

Aber gibt es denn überhaupt keine Lösung? Doch, die gibt es! Und die liegt in der Faulheit des bepelzten Geldadels. Die haben’s nämlich gerne bequem. Französische Appartment-Waben à la Val-Thorens sind also ihre Sache nicht.

Deswegen hat der Autor dieser Zeilen jetzt beschlossen, den nächsten Skiurlaub wieder in frankonphonen Gefilden zu verbringen. Pourquoi les Russes sont merde!

Das Schicksal der meisten Blogs …

… ist ja, dass der Inhaber schon nach kurzer Zeit die Lust verliert. Warum sollte das bei „The Knowledge“ anders sein? Eben.

Aber dieser Blog hier wird die Ausnahme von der Periode sein. Habe ich mir zumindest vorgenommen. Also ab jetzt.

Es hat sich viel getan: Neue Wohnung (Yeah!), wieder Single (Doppel-Yeah!), Couchtisch auf Einweihungsfeier nicht komplett abgebrannt (Triple-Yeah!). Läuft also gut bei mir. Ich kann und will nicht klagen.

Wie bisher werde ich hin und wieder rumschummeln und neue Einträge rückdatieren, weil sie chronologisch einfach dorthin gehören. Es lohnt sich also, auch die älteren Monate nach neuen Einträgen zu durchforsten. Zumindest ist es mein Plan, dass es sich in Zukunft lohnen wird.

Optimistisch, wie ich bin, bedanke ich mich schon mal im Voraus für die Lesertreue.

Ihr liest mich!

Die Weiße Hölle.

In Deutschland schneit’s.

In ganz Deutschland? Nein. Wir hier im Rheinland kriegen von alledem mal wieder nix mit. Und der Autor dieser Zeilen muss schon ganz weit zurück denken, an den Winter 78/79 etwa, als er als kleine Steppke mit seinen Eltern im Ferienhaus in der Probstei einschneite. Als ob der ödeste Landstrich dieses vereinigten Deutschlands nicht auch schon im Sommer unwirtlich genug wäre.

Diesen Winter ist es also mal wieder soweit. Zumindest soll es mal wieder soweit sein. Hört man so im Radio oder liest man so im Fernsehen. Als „Daisy“ kam, ließ ich sogar extra mein Auto in der Tiefgarage im Medienhafen stehen, ich wollte ja am nächsten Tag nicht stundenlang die Karre unter einem undefinierbaren Schneeberg hervorschaufeln. Kluge Entscheidung, dachte ich.

Und was kam? Nix! Also zumindest fast nix. Das Bild zeigt die schönste Stadt am Rhein zum Zeitpunkt der heftigsten Schneelage.

Die vorsorglich abgesagte Sauf-Sause in der Abriss-Bar des Phantasialandes hätte problemlos stattfinden können. Hätte irgendeine übervorsichtige Lusche sie nicht abgesagt. Und die Lusche war … ähem … ich! Die weiße Hölle der Probstei hinterließ eben Narben, die bis heute nicht verheilt sind. Die rühren allerdings weniger vom Schnee, als von der Harzer-Stinkkäse-Phase meines Vaters, die in den damaligen Tage gerade ihre Hoch-Zeit durchlebte. In Kombination mit der überschaubaren Quadratmeterzahl des Ferienhauses meiner Tante Anneliese in Heidkate führte dies zu einem unfassbaren Gestank, der schon 1978 klar gegen die Genfer Konventionen verstoßen haben muss.

Die Moral von der Geschicht: Schnee ist, solange man nicht 6 Stunden lang in erster Reihe die Bergungsarbeiten eines niederländischen Tulpenlasters auf der A3 mit ansehen muss, gar nicht so schlimm. Aber Harzer Käse wird es immer sein. Egal, wie das Wetter wird.

Mein erstes Mal.

Ich geb’s zu: Es war ein Kindheitstraum. Einmal an den Knöpfen eines Fahrgeschäftes sitzen. Einmal ganze Sperrfeuer schlauer und dummer Sprüche ablassen. Einmal die Regler auf 10 drehen und der Klassiker „Ich sitz da ja nicht drin …“ bringen. Und endlich ist er wahr geworden.

Als Kumpel Fabian am berühmt-berüchtigten „Experience“ von Conny und Jürgen Kauffmann aufhörte, um sich fortan bei Gründlers „Circus Circus“ zu verdingen, witterte ich schon Morgenluft. „Da wird ne Stelle frei!“ Letzten Herbst dann der Erstkontakt: Traf sich auch einfach zu gut, dass ich mit Willy Fellerhoffs großer Geisterbahn dem Experience auf der Krefelder Sprödentalkirmes fast gegenüber stand. Am Samstag des zweiten Wochenendes saß ich also zugegeben mehr in der Exxi-Kasse als ich in der Monster-Brut stand. So kurz vor Saisonende war da natürlich nichts mehr zu reißen, aber 2009 ist ja auch noch ein Jahr.

Das führte das wilde Hochrundfahrgeschäft aus Bopfingen nach dem Saisonauftakt in Detmold dann auf die allerhöchstens mediocre Veranstaltung in Duisburg-Rheinhausen – also läppische 30 Autominuten von meiner Wohnung entfernt. Flugs zum Auftakt einer ostersamstäglichen Kirmestour also dorthin und zusammen mit dem abtrünnigen Fabian „Hallo!“ gesagt. Und plötzlich ging alles ganz schnell: Keine 15 Minuten später saß ich mit feuchten Händen zum ersten Mal am Fahrpult.

Anfangs gings noch ziemlich holperig von der Hand, aber mit Zeit schlich sich immer mehr Routine in mein Tun. Für die Gesellenprüfung ist es zwar noch zu früh und Meister Jürgen sieht hier und da noch Verbesserungspotential, aber ein Anfang ist gemacht. Und es juckt mir schon wieder in den Fingern. Macht aber auch zu viel Spaß, der Job.

exxi

Wie es mit meiner Rekommandeurs-Karriere weitergeht? Ich hoffe gut! Zukünftige Gastspiele des Exxi mit mir am Mikro werde ich hier jedenfalls kundtun. In diesem Sinne: „Die Fahrt wird toller, die Hose voller!“

Same procedure as last season.

Jaja, die Fortuna …

Es ist ja durchaus richtig, dass das konsequente Verschenken von Big Points superduperärgerlich ist. Aber was sich Düsseldorfs Intellektuellenblatt „Express“ da am Montag geleistet hat, ist einfach nur noch lustig.

Da wird nicht nur ein Ex-Karnevalsprinz nach seiner Stammtischmeinung („Die wollen gar nicht aufsteigen!“) gefragt, auch erklärte Fußball-Koryphäen wie Dietloff von Arnim dürfen dem „Express“ ihre fachkundige Analyse („Aber wenn einige Spieler Angst davor haben, in der Zweiten Liga ihren Platz zu verlieren – eine sichere Nominierung können sie mit solchen Leistungen auch in der 3. Liga nicht erwarten.“) ins Mikro diktieren. Ist klar. Der Mann ist als Organisator einen Düsseldorfer TENNISTURNIERS natürlich prädestiniert für eine derartige Facheinschätzung.

Eigentlich disqualifiziert ihn schon sein Name, irgendwas über Fußball sagen zu dürfen. Oder kann sich jemand vorstellen, dass Werner Hansch mal kommentieren könnte: „Dietloff von Arnim hat mit einer beinharten Blutgrätsche das sichere Gegentor verhindert.“ Eher nicht. Also: WMKAH … EMFH!

Gelsenkirchen ist ein Zoo.

Äh, ich meine natürlich: Gelsenkirchen hat einen Zoo. Und zwar die ZOOM Erlebniswelt.

Was sich da so hochtrabend „Erlebniswelt“ tituliert, kommt als nett gestaltetes Zööchen daher. Zööchen deshalb, weil der Laden für jemanden, der Hagenbeck gewohnt ist, schlichtweg winzig ist.

Die mangelnde Größe versuchen die Gelsenkirchener durch extremst verschlungene Wege wettzumachen. Das gelingt sogar! Und die Thematisierungs-Ansätze können als durchaus gelungen angesehen werden.

Gar nicht gelungen ist die Besucher-Struktur, die ganz Gelsenkirchen-typisch eine gewisse Assigkeit nicht verleugnen kann. Aber vielleicht lag es auch am letzten Gültigkeitstag der Ruhr-Top-Card, der das Low-Level-Publikum wie wild in die Wildnis trieb.

Für mich als Schlangen-Fan gab es leider nichts zu bestaunen, aber das wird sich ändern, sobald der lang angekündigte Asien-Themenbereich fertig gestellt ist. Dies sollte eigentlich heute der Fall sein, wurde aber mal geschmeidig auf 2010 verschoben. Vermutlich wurden Subventionen gestrichen.

Sollt ihr da also hinfahren? Ja, sollt ihr. Die ZOOM Erlebniswelt ist zwar nicht so toll wie der Hype um sie, aber auch nicht übel.

Filmriss für Fortgeschrittene.

Es war jetzt schon das zweite Mal.

Das zweite Mal, dass ich mit den Kollegen Altweiber gefeiert habe. Wieder ging es in der Agentur um 11 Uhr 11 los, doch dieses Jahr hat die sich nicht gerade mit Ruhm bekleckert. Nix war dekoriert, kaum Essen da, einfach nur peinlich. Setzen, 6! Kollege Benno hat diese Peinlichkeit zwar noch mit einem 20-Liter-Fass Kölsch (!!!) abgemildert, aber vergeigt ist vergeigt.

Das Unheil nahm also seinen Lauf. 20 Liter und der harte Karnevalisten-Kern bestehend aus 5 Personen, das war ja sowas wie ne Aufgabe. Die haben wir zwar nur unzulänglich gelöst, aber immerhin war das Fass, als wir um halb 2 die Agentur in Richtung Altstadt verließen, halb leer. Und wir schon gut voll.

Die Flasche Jägermeister, die Kollege Volker zu der Sause aus ergonomischen Gründen („… ist leichter als ein Kasten Bier!“) beitrug, machte unseren und insbesondere meinen Zustand nicht besser. In der Altstadt war es dann erwartungsgemäß sehr voll mit vollen Menschen. Auf der Bolkerstraße, die wir aufgrund eines nötigen Umweges am Sparkassen-Geldautomaten entlang streifen mussten, hatte ich kurzzeitig ein wenig Angst. Es ging weder vor noch zurück und die Planlosigkeit aller Beteiligten tat ihr Übriges.

Zum Feier-Epizentrum wurde kurzerhand die Kurze Straße auserkoren. Hier trafen wir uns mit den weiblichen Kolleginnen, was ja auch immer schön ist, so fürs Auge. Irgendwann landeten wir dann im Schaukelstuhl und noch irgendwanner konnte ich nicht einmal mehr am Tresen stehen, ohne mich festzuhalten. Zeit, zu gehen.

Das tat ich dann auch, und hier endet meine Erinnerung. Ich habe noch vor Augen, wie ich selbst auf der Bolkerstraße – und dort ist die Konkurrenz nun wahrlich nicht gering – durch meine fortgeschrittene Trunkenheit unangenehm auffiel. Respekt! Das muss man erst mal schaffen.

Der nächsten Schnipsel, der noch in meinem zerschundenen Gehirn auffindbar ist, beinhaltet eine kurze Straßenbahnfahrt von der Jacobistraße bis Am Wehrhahn. Wie ich zur Jacobistraße gekommen bin? Keine Ahnung! Vermutlich zu Fuß, obwohl ich ja nicht mehr richtig laufen konnte. Irgendwann bin ich aufgewacht, noch immer in meinem Disco-Stu-Kostüm, auf dem Bett liegend. Filmriss galore!

Nie wieder Alkohol. Also bis Sonntag jedenfalls.,

Die News von gestern.

Sehr lustig!

Neulich war ich mal wieder beim Friseur. Das alleine ist nicht lustig. Höchstens die Tatsache, dass ich jetzt viel zu kurze Haare habe, weil ich der Frisilette auf die Frage, ob „die Länge so OK“ sei die Order gab, noch ein wenig zu kürzen, um noch den Dieter-Althaus-Skiunfall-Artikel im Stern zuende lesen zu können.

Nein, lustig ist der Imbiss ein paar Häuser weiter, namentlich „Loretto Grill“, nach der gleichnamigen Straße benannt. Der bietet seinen Gästen nämlich grundsätzlich nur Illustrierte an, die mindestens ein Jahr alt sind. Da kann man sich prima mit den Klatschnachrichten vom Frühjahr 2008 versorgen. Was Bata Ilic so im Dschungelcamp machte. Dass Will Smith gerade für „Hancock“ vor der Kamera steht. Und so weiter. Und so fort.

Schön war: Als ich las, dass die CDU in Hessen eine heftige Schlappe erlitt, habe ich mich sehr kurz sehr gefreut. Bis mir klar wurde, dass ich mit der Yellow-Press-Zeitmaschine des Loretto-Grills gerade wieder ein Jahr zurück gereist war. Und die erneute Landtagswahl in Hessen ja erst nächsten Sonntag stattfindet.

Das Schlimme ist: Alles, was in OK, Gala und den anderen Sudelblättern steht, ist so banal, dass ich erst beim ca. 10. Besuch dort bemerkte, wie veraltet der Trash ist, den ich da gerade las. Darüber sollten die Leute, die solch gedruckte Scheiße tatsächlich kaufen und ernst nehmen, mal nachdenken.

Von Null auf Vollgas.

Der letzte Januar war schön.

Denn in 2008 hat sich die Agentur erstmal langsam ins neue Jahr gegroovt. Der Vormittag wurde im Wesentlichen dafür genutzt, zu besprechen, wo wir denn nun Mittag machen. Am Nachmittag wurde ein wenig gearbeitet. Ein wenig.

Dieses Jahr ist alles anders.

Gleich am Dienstag kam ich so durch nach Hause, dass Jenny mich die erste halbe Stunde nicht ansprechen durfte. Das Kunden-Kartell, bei dem sich alle absprechen und gleichzeitig was wollen, läuft schon auf Hochtouren. Dabei war ich mental noch voll im Weihnachtsurlaub. Ehrlich, Leute: So geht das nicht! Nehmt mal bitte mehr Rücksicht auf einen alten Mann!

Warum habe ich keinen Job bei ParkScout, wo der gute Mike sich jeden Tag die Fußnägel neu lackiert? Warum habe ich keinen Easy-Going Call-Center-Job wie Tobi Niepel, der auf jedes Posting im Halloween-Planungsforum auf FZPW nach drei Minuten reagiert? Warum habe ich nur einen richtigen Beruf und keine Halbtagshobbystelle fürs gleiche Geld?

Langsam beruhigt sich die Lage hier.
Langsam.