Wort-Bild-Schere, Karnevals-Edition.

Es gibt in der Werbung etwas, das wir „Wort-Bild-Schere“ nennen. Wir Werbeschaffenden bezeichnen damit die Stelle in einem Film, wenn Gesehenes und Gesagtes nicht zusammen passen. Dies trägt gemeinhin nicht zum Verständnis der zu vermittelnden Werbebotschaft. Tritt so was auf, dann tust du als Werbefuzzi gut daran, das im Editing auszubügeln oder am besten den Film gleich so zu machen und freigeben zu lassen, dass du vor solch einem Problem gar nicht stehst.

Karnevalssamstag habe ich so eine Wort-Bild-Schere live und in Farbe gesehen. Wie es dazu kam? Ich habe mich zähneknirschend in den „Kuhstall“ eine berüchtigte Abproll-Destination auf der Bolkerstraße (einer berüchtigten Abproll-Straße in der Düsseldorfer Altstadt) mitschnacken lassen.

Im Kuhstall gibt es einen DJ. Vermutlich nennt er sich sogar noch „Discjockey“ oder gar „Schallplattenalleinunterhalter“. Der Mann versteht grundsätzlich sein Handwerk und gibt der anwesenden Mischpoke, was diese hören will. Oléolé! Dabei trägt er (natürlich) einen Schnauzer. Vermutlich heißt er Burkhardt. Wir erinnern uns an die legendäre Textzeile aus „Supermann und Mondgesicht“ vom Fetten Brot: „Den DJ machte Burkhardt, ein guter Handballtorwart, sein Gesicht zierte ein Schokoriegel-großer Schnurrbart“.

Eskalation im Kuhstall. Nur Burkhardt lässt das kalt.

Eskalation im Kuhstall. Nur Burkhardt lässt das kalt.

Nun ja. Dieser nicht mehr ganz junge Mann verrichtet sein Tag-, oder, besser gesagt, Nachtwerk mit einer derartig stoischen Ruhe, dass man davor den Hut ziehen muss. Dabei lässt er es natürlich nicht aus, die tobende Masse mit gut abgehangenen Motivationssprüchen à la „Zicke-Zacke-Zicke-Zacke-Heu-Heu-Heu“ in „Stimmung“ zu bringen. Dagegen ist ja auch überhaupt nix zu sagen. Wie schon erwähnt, „Burkhardt“, oder wie auch immer der Kollege heißt, versteht sein Handwerk.

Richtig lustig wird es allerdings, wenn man den Plattenaufleger dabei mal beobachtet. Der verzieht nämlich keine Miene. Während die Tonspur allerbeste Eskalation suggerieren will, vermittelt Burkis Gesicht eher totale Trauer – oder zumindest fortgeschrittene Langeweile. Das findet man beim ersten Mal merkwürdig, beim zweiten Mal lustig und ab dem dritten Mal musste ich es tunlichst vermeiden, den Blick in Richtung DJ-Pult zu richten, um mein Zwerchfell für den weiteren Verlauf des Abends nicht zu überlasten. Das sieht so drollig aus! Ich habe Burki, den saucoolen Plattenaufleger vom Mickie-Krause-Planeten, jedenfalls voll ins Herz geschlossen. Burkhardt, der Mann, der nur einen Gesichtsausdruck kennt! Um es im Kuhstall-Deutsch zu sagen: I mog di!

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