Dieter Bohlen soll hängen.

Das könnte zum Beispiel Herbert Grönemeyer fordern. Wären wir in England.

Sind wir aber nicht. Und das ist auch gut so. Denn in England forderte Depeche-Mode-Songwriter Martin Lee Gore kürzlich, man „sollte Simon Cowell erschießen“. In einem Interview mit der Music Week. Und sicherlich nicht ganz ernst gemeint, kennen wir Herrn Gore doch eher als sensiblen Schöngeist, dem Gewalt fremd war und vermutlich auch noch ist.

gore

Hintergrund des verbalen Gewaltausbruchs der Musik-Ikone Gore ist Cowells Allmacht über das britische, ach, weltweite Musikgeschäft. Er sitzt in der Jury von „Britain’s got Talent“, der Original-Ausgabe der teutonischen „Supertalent“-Kopie – und hat diese Format auch noch selbst entwickelt. Ganz nebenbei hat er auch noch die „Pop Idol“- und „X-Factor“-Shows erfunden und besitzt mit Syco Music eine einflussreiche Produktionsfirma nebst Plattenlabel. Schaut man sich das internationale Casting-Show-Business an, so stolpert man immer wieder über seinen Namen. Er erfindet, produziert, co-produziert, executive-produziert oder sonstwie produziert so ziemlich alles. Selber.

cowell

Er ist also nicht nur die Vorzeige-Grinsebacke und der Quotenbringer, der das RTL-Low-Level-Deppenpublikum vor den Hartz-IV-finanzierten 140-cm-Flatscreen zieht (wie der Dieter), er ist auch der Strippenzieher im Hintergrund und verdient mehr Geld als ganz Tötensen zusammen.

Man könnte also meinen, der Mann hat doch ein kleines bisschen Macht. Und wer bei ihm verkackt, hat es hinterher sicherlich nicht unbedingt leichter, in diesem Geschäft ein Bein an die Erde zu bekommen. Mindestens im Vereinigten Königreich.

Gore geht offensichtlich das komplette Casting-Show-Geschäft gegen den Strich, und er suchte und fand mit Cowell die Kuh, die es hier zu schlachten gilt: „Was ist aus den Bands geworden, die sich einfach zusammen tun und Musik machen? Heutzutage gibt es nur noch wenige davon und die können es sich vermutlich nicht leisten, im Studio eine Platte aufzunehmen.“

Das ist sicherlich nur die halbe Wahrheit, aber die Hälfte ist ja auch mehr als nichts.

Richtig peinlich wurde es aber durch die Twitter-Antworten von Musik-Mogul Cowell: Hier bezeichnete er den DM-Songschreiber als „weirdo“ und fühlte sich genötigt, seinen Followern zu erklären, Gore „ist oder war bei Depeche Mode“. Schon ein wenig überheblich, wenn man bedenkt, dass Depeche Mode echte Weltstars und seit 30 Jahren im Geschäft sind, wohin gegen die von Cowell entdeckten Pop-Sternchen kaum das erste Jahr nach dem Gewinn von X-Factorschrägstrichpopidolschrägstrichirgendwo’sgottalent überleben. Setzten, sechs, Simon! Wenn der Kuchen redet, haben die Krümel Pause.

Souverän wäre es gewesen, die Verbalentgleisung von Martin Lee Gore gar nicht zu kommentieren. Aber souverän ist Cowell ohnehin nur, wenn er zu den wie Espenlaub zitternden Träumern, die vor ihm stehen, ganz cool „ready when you are“ sagt.

Nun ja: Musik-Prolet Cowell (der’s nötig hat) war mal wieder in den Schlagzeilen, Sensibelchen Gore (der’s nicht nötig hat) konnte ein wenig Dampf ablassen und aus dem Schatten des im Moment im neuen Golf durch die Werbeblöcke cruisenden Dave Gahan treten. Es ist also allen geholfen. Und wenn sich irgendein Depeche-Mode-Fundamentalist dazu genötigt fühlt, der Gore’schen Bitte nachzukommen, vielleicht sogar die Musikindustrie.

Vielleicht überfährt Dave Gahan ihn ja mit einem Golf? Ach nein, doofe Idee – der hat laut ADAC ja einen exzellten Fußgänger-Aufprallschutz.

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