Spinning mit Sadisten-Silke.

Ich hab’s durchgezogen. Ich bin wieder Mitglied eines Fitnessstudios.

Und der Kurs „Easy Cycling“ erschien mir schon vom Namen her sympathisch. Eine geschmeidige Radtour zu schmissiger Musik mit dem Blick auf die knackigen Hintern meiner drahtigen Mit-Radlerinnen. Wie geschaffen für mich, den unfitten Wiedereinsteiger. Eine Flirt-Hochburg für Single-Männer. Entspanntes Radeln mit hochem Zuzwinker-Faktor. So hatte ich mir das vorgestellt. Tja. Falsch vorgestellt.

Das Problem geht schon damit los, dass man beim Spinning selbst entscheiden kann, wie hoch der Trittwiderstand ist. Sowas bietet man einem leicht übergewichtigen Ehrgeizling wie mir natürlich nicht ohne Hintergedanken an. Das Ergebnis ist leider, dass man den Trittwiederstand viel zu hoch einstellt. Man will ja keine Lusche sein. Und in den ersten 10 bis 15 Minuten geht das ja auch noch gut. Lockeres Einradeln zu schnuffigen Ambient-Sounds. Dufte hier! Dann kommt der erste Berg, und man wird aufgefordert, den Trittwiederstand höher zu drehen. Noch höher? Nun gut, die Trainerin, ein übersportliches Kurzhaarmodell, das sich als „Silke“ vorstellt, wird ja schon wissen, was sie tut. 6 Minuten bergauf. Im Stehen! Nach einer Minute glühen die Knie, nach einer weiteren Minute der ganze Körper! Der Schweiß läuft in Sturzbächen über den Lenker und schon bald steht mein Rad in einer kleinen Pfütze. Noch drei Minuten! Sadisten-Silke peitscht die Truppe mit gut abgehangenen Motivationssprüchen noch vorne. Naja, zumindest den Teil der Truppe, der nicht ich ist. An mir perlen solche durchschaubaren Tschacka-Sprüche ja spurlos ab. Ich bin dafür zu alt. Und vor allem zu schlau.

Nach einer halben Stunde häufen sich die Blicke auf die rechts von mir hängende Uhr. Das kleine, dicke Mädchen neben mir deutet meine Blicke in Richtung Uhr wohl als Flirtversuch und lächelt gequält. Oh je! Ich will hier raus! Dumm nur, dass man trotz heftigster Strampelei nicht von der Stelle kommt.

25 Minuten später ist nicht nur die Trainingseinheit am Ende – ich bin es auch! Und trotzdem glücklich! Stalingrad war bestimmt nichts dagegen. Soll die Freibad-Saison doch kommen!

2 Kommentare

  1. Keng

    Wie ich mich wiedererkenne!

    Spinning ist so hart. Radeln in der Gruppe dachte ich mir auch zuerst, ich habe es im Rahmen meines „Steinzeitkurses“, wie ich ihn gerne nenne, bei meinem Trainer Steffen das erste Mal gemacht. Ich habe mich zuerst natürlich gefragt, warum man ein zweites Handtuch mitbringen soll, um es unter das Spinning-Rad zu legen, aber nach wenigen Minuten wusste ich es. Und Du auch, wie ich lese. „Glühen“ ist kein Ausdruck, was man nach kurzer Zeit spürt.

    Nach der ersten Stunde war ich auch fertig mit der Welt. Und an Dein Gefühl, total glücklich zu sein, kann ich mich auch noch sehr gut erinnern. Das war so unsagbar geil, das kann man keinem beschreiben, der es nicht probiert hat.

    Ich hatte mich danach mit meinem Trainer darüber unterhalten. Ich fand es verdammt motivierend, was er mir erzählte, daher will ich es Dir auch mitteilen: Er natürlich Sportstudent bei seiner ersten Entscheidung, mal Spinning auszuprobieren. Durchtrainiert etc bla. Weil Sportstudent und fit bis in den Fußzeh, gleich mal den Kurs für halbwegs fortgeschrittene besucht. Links und rechts von ihm zwei Hausfrauen durchaus nicht schlanker Gestalt, lächeln ihn an (Männer sind in solchen Kursen ja eher selten gesehen). Er denkt sich, das wird easy going. Das Ende vom Lied: Nach der Spinning-Stunde steigen die zwei Hausfrauen locker flockig vom Rad, er rennt erstmal zum Klo und muss sich übergeben.

    Aber dieses krasse Gefühl beim Spinning ist schon wirklich geil. So richtig geil. Burning pur. Schön für Dich, dass Du das auch erfahren hast :)

    BTW habe ich diese Woche das erste Mal Yoga gemacht. Wenn Du Dich wieder in einem Fitness-Tempel befindest, probier das doch auch mal aus. Dieses gleichzeitige Gefühl von Spannung und Entspannung ist unbeschreiblich. Es hat auf mich wie ein totaler emotionaler Reset gewirkt bei gleichzeitiger körperlicher Einrenkung von allem, was sich schief gestellt hat. Und glaube mir: Meine Klamotten waren danach trotzdem klatschnass, aber es war auf eine so chillige Art und Weise, das war… beeindruckend. Werde ich auf jeden Fall wieder machen! Probier das auch mal aus!

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