Wort-Bild-Schere, Karnevals-Edition.

Es gibt in der Werbung etwas, das wir „Wort-Bild-Schere“ nennen. Wir Werbeschaffenden bezeichnen damit die Stelle in einem Film, wenn Gesehenes und Gesagtes nicht zusammen passen. Dies trägt gemeinhin nicht zum Verständnis der zu vermittelnden Werbebotschaft. Tritt so was auf, dann tust du als Werbefuzzi gut daran, das im Editing auszubügeln oder am besten den Film gleich so zu machen und freigeben zu lassen, dass du vor solch einem Problem gar nicht stehst.

Karnevalssamstag habe ich so eine Wort-Bild-Schere live und in Farbe gesehen. Wie es dazu kam? Ich habe mich zähneknirschend in den „Kuhstall“ eine berüchtigte Abproll-Destination auf der Bolkerstraße (einer berüchtigten Abproll-Straße in der Düsseldorfer Altstadt) mitschnacken lassen.

Im Kuhstall gibt es einen DJ. Vermutlich nennt er sich sogar noch „Discjockey“ oder gar „Schallplattenalleinunterhalter“. Der Mann versteht grundsätzlich sein Handwerk und gibt der anwesenden Mischpoke, was diese hören will. Oléolé! Dabei trägt er (natürlich) einen Schnauzer. Vermutlich heißt er Burkhardt. Wir erinnern uns an die legendäre Textzeile aus „Supermann und Mondgesicht“ vom Fetten Brot: „Den DJ machte Burkhardt, ein guter Handballtorwart, sein Gesicht zierte ein Schokoriegel-großer Schnurrbart“.

Eskalation im Kuhstall. Nur Burkhardt lässt das kalt.

Eskalation im Kuhstall. Nur Burkhardt lässt das kalt.

Nun ja. Dieser nicht mehr ganz junge Mann verrichtet sein Tag-, oder, besser gesagt, Nachtwerk mit einer derartig stoischen Ruhe, dass man davor den Hut ziehen muss. Dabei lässt er es natürlich nicht aus, die tobende Masse mit gut abgehangenen Motivationssprüchen à la „Zicke-Zacke-Zicke-Zacke-Heu-Heu-Heu“ in „Stimmung“ zu bringen. Dagegen ist ja auch überhaupt nix zu sagen. Wie schon erwähnt, „Burkhardt“, oder wie auch immer der Kollege heißt, versteht sein Handwerk.

Richtig lustig wird es allerdings, wenn man den Plattenaufleger dabei mal beobachtet. Der verzieht nämlich keine Miene. Während die Tonspur allerbeste Eskalation suggerieren will, vermittelt Burkis Gesicht eher totale Trauer – oder zumindest fortgeschrittene Langeweile. Das findet man beim ersten Mal merkwürdig, beim zweiten Mal lustig und ab dem dritten Mal musste ich es tunlichst vermeiden, den Blick in Richtung DJ-Pult zu richten, um mein Zwerchfell für den weiteren Verlauf des Abends nicht zu überlasten. Das sieht so drollig aus! Ich habe Burki, den saucoolen Plattenaufleger vom Mickie-Krause-Planeten, jedenfalls voll ins Herz geschlossen. Burkhardt, der Mann, der nur einen Gesichtsausdruck kennt! Um es im Kuhstall-Deutsch zu sagen: I mog di!

Suizid auf zwei Rädern.

Motorradfahrer werden gerne mal salopp „Organspender“ genannt. Und oft auch zu Recht, besonders an sonnigen Frühlingswochenenden im Bergischen Land oder in der Eifel. Tja, ein bisschen Schwund ist halt immer.

In Düsseldorf, der wunderschönen Landeshauptstadt am Rhein, ist man auch in diesem Punkt mal wieder einen Schritt weiter als die verhasste Provinz. Denn wir aufgeklärten Städter brauchen dafür kein Motorrad. Uns reicht das Rad, ganz ohne Motor. In Kombination mit einer unserer innerstädtischen Tagenten, der Graf-Adolf-Straße, ergibt sich eine erfrischend destruktive Kombination für Körper und Geist.

Den Körper stellen hier die Radfahrer zur Verfügung, die, so sie mal wieder von der Auto fahrenden Spezies versehentlich übersehen oder gar absichtlich ignoriert werden, in variantenreicher Vielfalt in die verschiedensten Teile gerissen werden.

Man muss dazu nämlich wissen, dass die Graf-Adolf-Straße eigentlich schon für zwei PKW nebeneinander zu schmal ist, von LKW oder Bussen wollen wir an dieser Stelle gar nicht erst anfangen zu fabulieren, dann bricht im morgendlichen Berufsverkehr ohnehin mit schönster Regelmäßigkeit das Vollchaos aus.

Trotzdem gibt es immer wieder hirnamputierte Rad-Amöben, die sich trotz paralell verlaufender lauschiger Nebensträßchen genötigt fühlen, auf der GAS den Gefahrensucher zu spielen. Mit nicht selten vorkommenden, oben genannten Konsequenzen.

Ein Radler überquert die Kö. Dahinter beginnt der Radweg. Fast hat der Tollkühne es geschafft!

Ein Radler überquert die Kö. Dahinter beginnt der Radweg. Fast hat der Tollkühne es geschafft!

Kommen wir aber nun zum Geist. Auf den gehen die Zweirad-Artisten nämlich allen anderen. Weil sie etwas tun, dass nicht nur a) für sie selbst supergefährlich ist, sondern auch b) für sie auf keinster Weise schön sein kann. Deshalb können ich und meine Leidensgenossen, die wir uns unseren täglichen Weg über die GAS im Auto oder auf der Vespa bahnen müssen, für die radelnden Daredevils auch keinerlei Verständnis aufbringen.

Mein Kollege Harald, ein drahtiges Sportmodell ohne auch nur ein Gramm Fett am Körper, der jeden Morgen auf einem Kleinwagen-teuren Mountain-Bike aus dem schönen, aber auch 12 Kilometer entfernten Ludenberg in den Medienhafen strampelt, nimmt die Selbstmörder zwischen Worringer Platz und Königsallee überraschenderweise nicht einmal in Schutz. Er gehört netterweise zu den seltenen denkenden Radlern, die nicht der Meinung sind, ganz Düsseldorf müsse sich gefälligst nach ihrem entschleunigten Tempo richten. Er weicht auf die parallele Bahnstraße aus. Haben ja auch alle was davon. Danke dafür. Bleiben noch ca. 10.000 beratungsresistenter Fahrrad-Faschos, denen ich weiterhin jeden Morgen den Kampf ansage.

Waidmanns heil!

Man muss nicht alles gesehen haben.

Eigentlich bin ich ja bekennender Fan des Horror-Film-Genres. Eigentlich.

Und ich habe in den 80ern auch so ziemlich den ganzen krassen Shit gesehen, der da so auf dem Markt war. In jenen Tagen war ja die gute, alte VHS-Kassette der Datenträger der Wahl und die Bildqualität dementsprechend bescheiden. Dazu kam noch die wilde Kopiererei, die, hui, natürlich verboten war. Von Ruggero Deodatos „Cannibal Holocaust“ besaß ich mal die Kopie der Kopie der Kopie, was insbesondere die unnötigen Tiersnuff-Szenen durch die zwangsläufige Unschärfe erst erträglich machte.

Grundsätzlich lief das damals ja so: Kumpels hatten die Filme immer über irgendwelche nicht näher definierte dunkle Kanäle „reinbekommen“ und das blutige Zeug, damals noch in der Regel mit eher amüsierenden, grottenschlechten Spezialeffekten versehen, wurde johlend in der pubertierenden Kleingruppe wegkonsumiert.

Zensur wurde damals natürlich einstimmig als bösartiger Eingriff in den mündigen Bürger gesehen – lustig besonders angesichts der Tatsache, dass keiner von uns volljährig war. Die (damals noch stellvertretende) Vorsitzende der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Schriften, Elke Monssen-Engberding, die sich besonders dem Kampf gegen Horrorfilme verschrieben hatte, war für uns selbsternannte, Gore-liebende Freigeister die Hassfigur schlechthin.

Nun ja, das ist lange her und die Faszination für das Gemetzel ist ein wenig abgekühlt. Trotzdem schaue ich so’n Zeug noch immer gerne. Da traf es sich gut, dass sich bei meinem Arbeitgeber ein illustrer Kreis zusammen gefunden hatte, der sich so ca. alle sechs Wochen zur „Fright Night“ trifft um nach Feierabend in einem Konfi zusammen zwei Horrorfilme zu schauen. Also fast wie früher, nur dieses Mal mit Leuten, die die Filme, die sie da schauen, auch tatsächlich schauen dürfen.

Am gestrigen Abend war es mal wieder soweit. Auf dem Programm standen zum ersten „Fragile“ mit Ally-McBeal-Bohnenstange Calista Flockhart. Prädikat: ganz OK. Angesichts der Besetzung war natürlich kein Gore zu erwarten, schon gar kein krasser. Aber an der guten Frau Flockhart wäre ja auch ohnehin nicht viel Fleisch dran gewesen.

Der zweite Film kam dann doch schon eher aus der magenumdrehenden Ecke: „The Collector“. Man nehme sämtliche „Saw“-Teile (der Regisseur hatte für die Teile 4 bis 7 ohnehin das Drehbuch geschrieben, sie an!), ziehe aus ihnen die fiesesten Folterszenen und packe alles in einen Film mit auf einen Bierdeckel passender Minimalstory. Natürlich inklusive, sonst ist es nicht echt, reichlich Logikfehler.

Medizinisch fragwürdige Mund-Chirurgie in "The Collector"

Medizinisch fragwürdige Mund-Chirurgie in „The Collector“

Die Torture-Porn-Sequenzen sind hierbei so ausgereizt und explizit, dass ich, der sich zu Beginn noch königlich über die sich laufend von der Leinwand abwendende Kollegin amüsiert hatte, am Schluss dieses Festival des Ekels selbst nicht mehr ertragen konnte und wegschauen musste. Und wollte.

Mein daraus resultierender Facebook-Eintrag, in dem ich mich über die Ekelhaftigkeit des soeben Gesehenen echauffierte, wurde natürlich sogleich dahin gehend kassiert, dass es da ja noch viel sickeren Shit gäbe und ich ne Muschi wäre. „Bei Human Centipede 2 reichen schon die Bilder auf schnittberichte.com“ lautete ein Kommentar. Ich habe das gleich mal ausprobiert. Die Neugier hat gesiegt. Und es stimmt. Die Bilder haben mir gereicht. Deshalb an dieser Stelle hier auch keine davon. Das sollte jeder selbst entscheiden, ob er sich diese Abartigkeiten zumuten will.

Und seit gestern frage ich mich ernsthaft: Wer braucht so einen kranken Scheiß? Wem macht so etwas Spaß? Was sind das für Menschen, die dabei Zerstreuung, ja, gar Entspannung finden? Bei Torture-Porn ist die Grenze für mich endgültig überschritten. Das ist einfach nur noch krank und darf gerne zensiert oder von mir aus auch gleich verboten werden. Wobei Verbote das sicke Zeug in den Augen der Fans ja ohnehin nur noch wertvoller machen.

Ich werde das alles wohl nie verstehen. Das Schöne: Ich muss auch nicht alles verstehen. Und, viel wichtiger, ich muss vor allem auch nicht alles sehen.

Wenn Rituale sich in Luft auflösen.

Es gibt so Tage, da wäre man lieber im Bett geblieben.

Heute ist so einer. Eine Hiobsbotschaft jagt die nächste. Meine kleine Welt wird heute mit Macht aus den Angeln gehoben. Meine Leidensfähigkeit mit Nachdruck auf die Probe gestellt.

Ich pflege nämlich seit ich in Düsseldorf wohne ein bestimmtes Ritual, welches sich alle sechs Wochen mit schönster Regelmäßigkeit wiederholt.

Ich besuche in der Mittagspause meinen Friseur in der Lorettostraße, „Starschnitt“ mit Namen. Dort lasse ich mir dann die immer gleiche Frisur schneiden. Oder zumindest das, was ich für eine Frisur halte. Das Leben braucht Beständigkeit.

Danach gehe ich die Straße runter und esse im dortigen, von einer koreanischen Familie betriebenen Schnellrestaurant „Loretto-Grill“, einer Oase der Bodenständigkeit im eigentlich komplett gentrifizierten Unterbilk, das Gericht „Tang Su Yuk“. Fragt mich nicht, was das ist. Es schmeckt jedenfalls super. Vermutlich ist es Hund.

Heute musste ich zuerst beim Haarewaschen erfahren, dass der Starschnitt zu macht. „Hier kommt aber wieder ein Friseur rein“, teilte mir meine türkische Lieblings-Frisilette mit, „aber erstmal wird der komplette Laden renoviert, die reißen alles raus.“ Adieu, geliebte Schäbigkeit! Vermutlich kommt da so ein überteuerter Szene-Schnippler rein, 30 Euro der Trockenhaarschnitt, für das Pack aus den umliegenden Werbeagenturen. Zum Kotzen!

Nun ja, daraufhin ging ich also wieder zum Loretto-Grill. Diesen Teil würde man mir nicht nehmen können, diesen Teil nicht, da war ich mir sicher. Und dann sah ich das:

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Fazit des erst angebrochenen Tages: Ich will auf’n Arm!

Dieter Bohlen soll hängen.

Das könnte zum Beispiel Herbert Grönemeyer fordern. Wären wir in England.

Sind wir aber nicht. Und das ist auch gut so. Denn in England forderte Depeche-Mode-Songwriter Martin Lee Gore kürzlich, man „sollte Simon Cowell erschießen“. In einem Interview mit der Music Week. Und sicherlich nicht ganz ernst gemeint, kennen wir Herrn Gore doch eher als sensiblen Schöngeist, dem Gewalt fremd war und vermutlich auch noch ist.

gore

Hintergrund des verbalen Gewaltausbruchs der Musik-Ikone Gore ist Cowells Allmacht über das britische, ach, weltweite Musikgeschäft. Er sitzt in der Jury von „Britain’s got Talent“, der Original-Ausgabe der teutonischen „Supertalent“-Kopie – und hat diese Format auch noch selbst entwickelt. Ganz nebenbei hat er auch noch die „Pop Idol“- und „X-Factor“-Shows erfunden und besitzt mit Syco Music eine einflussreiche Produktionsfirma nebst Plattenlabel. Schaut man sich das internationale Casting-Show-Business an, so stolpert man immer wieder über seinen Namen. Er erfindet, produziert, co-produziert, executive-produziert oder sonstwie produziert so ziemlich alles. Selber.

cowell

Er ist also nicht nur die Vorzeige-Grinsebacke und der Quotenbringer, der das RTL-Low-Level-Deppenpublikum vor den Hartz-IV-finanzierten 140-cm-Flatscreen zieht (wie der Dieter), er ist auch der Strippenzieher im Hintergrund und verdient mehr Geld als ganz Tötensen zusammen.

Man könnte also meinen, der Mann hat doch ein kleines bisschen Macht. Und wer bei ihm verkackt, hat es hinterher sicherlich nicht unbedingt leichter, in diesem Geschäft ein Bein an die Erde zu bekommen. Mindestens im Vereinigten Königreich.

Gore geht offensichtlich das komplette Casting-Show-Geschäft gegen den Strich, und er suchte und fand mit Cowell die Kuh, die es hier zu schlachten gilt: „Was ist aus den Bands geworden, die sich einfach zusammen tun und Musik machen? Heutzutage gibt es nur noch wenige davon und die können es sich vermutlich nicht leisten, im Studio eine Platte aufzunehmen.“

Das ist sicherlich nur die halbe Wahrheit, aber die Hälfte ist ja auch mehr als nichts.

Richtig peinlich wurde es aber durch die Twitter-Antworten von Musik-Mogul Cowell: Hier bezeichnete er den DM-Songschreiber als „weirdo“ und fühlte sich genötigt, seinen Followern zu erklären, Gore „ist oder war bei Depeche Mode“. Schon ein wenig überheblich, wenn man bedenkt, dass Depeche Mode echte Weltstars und seit 30 Jahren im Geschäft sind, wohin gegen die von Cowell entdeckten Pop-Sternchen kaum das erste Jahr nach dem Gewinn von X-Factorschrägstrichpopidolschrägstrichirgendwo’sgottalent überleben. Setzten, sechs, Simon! Wenn der Kuchen redet, haben die Krümel Pause.

Souverän wäre es gewesen, die Verbalentgleisung von Martin Lee Gore gar nicht zu kommentieren. Aber souverän ist Cowell ohnehin nur, wenn er zu den wie Espenlaub zitternden Träumern, die vor ihm stehen, ganz cool „ready when you are“ sagt.

Nun ja: Musik-Prolet Cowell (der’s nötig hat) war mal wieder in den Schlagzeilen, Sensibelchen Gore (der’s nicht nötig hat) konnte ein wenig Dampf ablassen und aus dem Schatten des im Moment im neuen Golf durch die Werbeblöcke cruisenden Dave Gahan treten. Es ist also allen geholfen. Und wenn sich irgendein Depeche-Mode-Fundamentalist dazu genötigt fühlt, der Gore’schen Bitte nachzukommen, vielleicht sogar die Musikindustrie.

Vielleicht überfährt Dave Gahan ihn ja mit einem Golf? Ach nein, doofe Idee – der hat laut ADAC ja einen exzellten Fußgänger-Aufprallschutz.

Ich fühl‘ mich sicher!

Denn ich finde nur die DFL bedrohlich.

Dank der 12 Schweigeminuten und –sekunden an den letzten beiden Spieltagen dürfte inzwischen auch der letzte Eventi mitbekommen haben, worum es den Fanszenen in Deutschland geht: Sie wollen verhindern, dass aus Fußball eine klinisch-reine, glattgezogene Geldverwertungsmaschine ohne jegliche Atmo wird.

Wobei gegen die Geld-Sache natürlich erst mal so grundsätzlich nichts einzuwenden ist. Die Geldmaschine Fußball in die wildromantischen Nachkriegsjahre zurück drehen zu wollen, was einige Puristen ja tatsächlich am liebsten so hätten, ist an fehlendem Realismus kaum zu toppen. Denn vom eingenommenen Geld kaufen die Vereine Spieler, bauen und modernisieren die Stadien oder beteiligen sich zumindest daran und legen so den Grundstein für weitere Einnahmen aus Kartenverkauf und TV-Geldern. Und letzten Endes auch für die von den Fans geforderten Titel.

Die DFL scheint allerdings zu denken, dass dieser Geldfluss, an dem sich natürlich auch ein Haufen Funktionäre gütlich tun, nur dann gewährleistet ist, wenn das dafür erforderliche Fußballspiel möglichst reibungslos und ohne besondere Vorkommnisse über die Bühne geht. Der Fan an sich – und das bedrückende Polizei-Aufgebot vor den Stadien macht hierbei erst mal keinen Unterschied zwischen Kurven-Ultra und Kuchenblock-VIP – wird als potenzielle Gefahr für das Spielgeschehen gesehen, auf den man am liebsten verzichten würde, wäre da nicht die Kleinigkeit mit den Einnahmen aus dem Kartenverkauf, die einen lukrativen Stadienbetrieb überhaupt erst ermöglichen.

Hierbei werden sie von den Medien natürlich nach Kräften unterstützt. Die Nachplapperer, die nie ins Stadion gehen, aber zum Thema natürlich auch eine Meinung haben, haben fast gar keine andere Chance, als nach der Lektüre von BLÖD und Konsorten zu denken, ein Fußballstadion-Besuch sei ungefähr so lebensgefährlich wie ein Camel-Trip durchs Amazonas-Delta.

Ich fühl' mich sicher!

Die Fakten muten da fast schon enttäuschend an: In den Stadien passiert nämlich so gut wie keine Gewalttat. Die oft geschmähten Ultras machen nix außer guter Stimmung und die von den Zeitung, Funk und Fernsehen zur Geißel des Sports auserkorenen Hooligans sind bestimmt nicht so blöd, sich dort zu beulen, wo es von MEK-Beamten nur so wimmelt. Die machen das, wenn überhaupt, irgendwo auf einem Acker, den die fußballsemiinteressierten Prügelknaben mit ihren Pendants des anderen Vereins vorher ausmachen, moderne Kommunikationsmittel sei Dank. Im Behördendeutsch heißt dies „Drittort-Auseinandersetzung“. Der normale Stadionbesucher, der an Keilerei kein Interesse hat, bekommt von alledem überhaupt nichts mit.

In der kompletten Saison 2011/2012 wurden bei allen Erst- und Zweitligaspielen zusammen 1146 Menschen verletzt, wie man der Zentralen Informationsstelle für Sporteinsätze entnehmen kann. Das klingt jetzt erst mal viel, denkt man aber daran, dass es hier um insgesamt 68 Veranstaltungen, die von satten 18,8 Millionen Zuschauern besucht werden, geht, fällt einem auf, wie lächerlich das Ganze doch ist. Bei jedem Spiel werden also im Durchschnitt nicht ganz zwei Zuschauer verletzt – wobei die ZIS zwischen Leicht- und Schwerverletzten noch nicht einmal unterscheidet. Ein Kind, das sich an der scharfen Kante eines Trinkbechers schneidet, wird in dieser Statistik auch erfasst.

Das Münchener Oktoberfest braucht für 1146 Verletzte übrigens keine zwei Tage. Oans, Zwoa, auf’s Maul!

Will heißen: Otto Normalo und Lieschen Müller können in den Stadien völlig unbehelligt ihre Acrylamid-Wurst mampfen und das Spiel sehen. Warum auch nicht? Denn auch dem engstirnigsten Ultra dürfte klar sein, dass mit den 11-Euro-Stehplatztickets von ihm und seinen fahnenschwenkenden Mitstreitern kein kostendeckender, geschweige denn gewinnbringender Stadienbetrieb in einer 50.000-und-mehr-Zuschauer-Arena durchgeführt werden kann. Die Mischung macht’s also: Die Fankurven brauchen die Sitzplatz-Pupser oder zumindest deren Geld, die Langweiler auf den Geraden brauchen die Kurven, damit in ihrem Station Stimmung aufkommt, ohne dass sie dafür den Hintern heben oder den Mund aufmachen müssen.

In diesem Sinne: https://www.ich-fuehl-mich-sicher.de

Tragt euch ein! Heute in einer Woche soll ein neues DFL-Papier zur „Stadionsicherheit“ verabschiedet werden. Es bleibt zu hoffen, dass in ihm weniger Blödsinn als im Erstentwurf steht.

Inspiration, Hannover-Style …

Es sind ja immer die guten Kampagnen, die kopiert werden.

Jetzt wurde zum ersten Mal eine kopiert, die in den Augen des Autoren doch eher nur so mittelmäßig ist. Für die Hannoverschen Verkehrsbetriebe „üstra“ hats aber anscheinend noch gereicht.

Original:
Original

Fälschung:
Fälschung

Man beachte, dass wirklich ALLE Elemente kopiert wurden. Selbst der Swoosh bei „Nonstop you“.

Die üstra gibt übrigens keine Auskunft darüber, welche Agentur dafür verantwortlich ist. Das hat sich die betreffende Agentur bestimmt was kosten lassen. Schweigegeld, quasi. Bin gespannt, wie lange es dauert, bis das rauskommt. Bei Kolle Rebbe, von denen die Lufthansa-Arbeit ist, zeigt man sich „not amused“.

iamtheknowledge.wordpress.com/neustart

Blogs haben es ja allgemein nicht leicht.

Früher hieß es: Video killed the Radio Star.

Heute wäre es: Facebook killed the Blog Star.

Ich werde mir Mühe geben, hier jetzt wieder mal was zu schreiben und das Ding nicht wieder fast drei Jahre lang brach liegen zu lassen. Habe gerade mal kurz durchgefegt, gelüftet und ein paar Einträge ins Blog-Nirvana befördert, die ich heute für micht mehr so wahnsinnig passend halte. Und nachdem ich mir zwecks Qualitätskontrolle nochmal den alten Shit komplett zu Gemüte geführt hatte, muss ich ganz uneitel zu dem Schluss kommen, dass sich das doch echt ordentlich liest. Gibt auf jeden Fall dümmeres Zeug.

Wie gesagt, ich werde mir Mühe geben. Falls hier wieder schnell tote Hose einkehrt: Arschtritte welcome!

Geboren um bei Yann Tiersen zu klauen.

Was ist unheilig?

Auf jeden Fall ist die, sagen wir mal, „deutliche künstlerische Inspiration“, die sich die Leute von Unheilig bei Klavier-Virtuose Yann Tiersen geholt haben, nichts, für das man heilig gesprochen wird. Fand man den unheiligen Gothic-Schlager bisher nicht sonderlich schlimm sondern einfach nur peinlich, muss man jetzt doch feststellen, dass Henning Verlage und Konsorten die Fabelhafte Welt der Amelie wohl mehr als ein Mal geschaut haben, so ähnlich sich die Harmonien von „Comptine d’un autre été (l’après-midi)“ …

… und „Geboren um zu leben“ …

… doch sind.

Pfui, pfui, pfui – ihr kommt in die Hölle, aber ganz sicher!

Spinning mit Sadisten-Silke.

Ich hab’s durchgezogen. Ich bin wieder Mitglied eines Fitnessstudios.

Und der Kurs „Easy Cycling“ erschien mir schon vom Namen her sympathisch. Eine geschmeidige Radtour zu schmissiger Musik mit dem Blick auf die knackigen Hintern meiner drahtigen Mit-Radlerinnen. Wie geschaffen für mich, den unfitten Wiedereinsteiger. Eine Flirt-Hochburg für Single-Männer. Entspanntes Radeln mit hochem Zuzwinker-Faktor. So hatte ich mir das vorgestellt. Tja. Falsch vorgestellt.

Das Problem geht schon damit los, dass man beim Spinning selbst entscheiden kann, wie hoch der Trittwiderstand ist. Sowas bietet man einem leicht übergewichtigen Ehrgeizling wie mir natürlich nicht ohne Hintergedanken an. Das Ergebnis ist leider, dass man den Trittwiederstand viel zu hoch einstellt. Man will ja keine Lusche sein. Und in den ersten 10 bis 15 Minuten geht das ja auch noch gut. Lockeres Einradeln zu schnuffigen Ambient-Sounds. Dufte hier! Dann kommt der erste Berg, und man wird aufgefordert, den Trittwiederstand höher zu drehen. Noch höher? Nun gut, die Trainerin, ein übersportliches Kurzhaarmodell, das sich als „Silke“ vorstellt, wird ja schon wissen, was sie tut. 6 Minuten bergauf. Im Stehen! Nach einer Minute glühen die Knie, nach einer weiteren Minute der ganze Körper! Der Schweiß läuft in Sturzbächen über den Lenker und schon bald steht mein Rad in einer kleinen Pfütze. Noch drei Minuten! Sadisten-Silke peitscht die Truppe mit gut abgehangenen Motivationssprüchen noch vorne. Naja, zumindest den Teil der Truppe, der nicht ich ist. An mir perlen solche durchschaubaren Tschacka-Sprüche ja spurlos ab. Ich bin dafür zu alt. Und vor allem zu schlau.

Nach einer halben Stunde häufen sich die Blicke auf die rechts von mir hängende Uhr. Das kleine, dicke Mädchen neben mir deutet meine Blicke in Richtung Uhr wohl als Flirtversuch und lächelt gequält. Oh je! Ich will hier raus! Dumm nur, dass man trotz heftigster Strampelei nicht von der Stelle kommt.

25 Minuten später ist nicht nur die Trainingseinheit am Ende – ich bin es auch! Und trotzdem glücklich! Stalingrad war bestimmt nichts dagegen. Soll die Freibad-Saison doch kommen!

Große Brüste sind ja was Schönes …

… aber eine große Stimme wäre irgendwie noch schöner gewesen.

Nicht einmal die notgeilen RTL-Zuschauer konnten nach dieser stimmlichen Nullnummer Ossi-Landei Steffi Landerer in die nächste DSDS-Mottoshow hieven. Grandios in diesem Zusammenhang übrigens Marco Schreyl, der in seiner Anmoderation schon ahnte, dass die männlichen Zuschauer nach ihrem Auftritt „körperlich nicht mehr zum Telefonieren imstande“ sein könnten. Stimmt – weil sie sich nach der Steffi-Interpretation von Katy Perrys „I kissed a Girl“ vor Lachen die chipsrunden Bäuche hielten.

Foto (c) RTL / Stefan Gregorowius – Alle Infos zu „Deutschland sucht den Superstar“ im Special auf RTL.de

Wen hat Steffi heute denn alles so getroffen? Naja, bestimmt ihre 9 (Ex-) Mitkandidaten, die Produktions-Assis, ein paar Fotografen, Kamera- und Ton-Leute, die Jury Bohlen/Eichinger/Neumüller und Marco Schreyl. Töne? Leider keinen einzigen. Und es ist schön zu erfahren, dass man nichtmal bei DSDS nur mit Titten weiter kommt.

Köln lässt sich volllaufen.

Es gibt ja nichts Tragikomischeres als den Kölner U-Bahn-Bau.

Zuerst rutscht den Deppen das Stadtarchiv nebst angrenzenden Häusern in die Grube, unglücklicherweise sogar mit dem Verlust von Menschenleben. Dann kommt raus, dass irgendwelche Arbeiter 80 % der zur Stabilität nötigen Stahlbügel lieber vercheckt als eingebaut haben. Und als wäre das alles nicht schon schlimm genug, kommt jetzt auch noch die Schneeschmelze und es müsste schon mit dem Teufel zu gehen, wenn Vater Rhein nach diesem Rekordwinter nicht über 6,50 Meter steigen würde. Was dazu führte, dass die Baugrube für den neuen, großen, schönen Umsteigebahnhof am Heumarkt leider geflutet werden müsste. Kostenpunkt: nochmal ein paar Milliönchen für die steuersubventionierten Kölner Verkehrsbetriebe (KVB). Aber was soll’s, das ist halt Kölle!

Und genau das ist das Erschreckendste an der ganzen Sache: nämlich die Reaktion der meisten Kölner in meinem erweiterten Freundes- und Bekanntenkreis. Hier wird die ganze Sache nämlich eher mit Lokalkolorit-verbrämter Verklärung bewertet. Ja, Köln wird durch solche Stories für diese Patrioten eher noch knuffiger und liebenswerter! Die finden das super, das macht Köln in deren Augen aus! Was für eine gute Gelegenheit den lieben Kölnern mal wieder mit Dietmar Wischmeyers analytischer Härte vor Augen zu führen, in was für einem lächerlichen Loch sie bei Licht betrachtet doch wohnen.

Offensichtlich keine Kölnerin ist meine Lieblings-Moderatorin Katrin Schmick vom WDR, einer der wenigen Gründe, Radiogebühren zu zahlen. Die Dame hatte das große Glück, den KVB-Chef Jürgen Fenske interviewen zu dürfen. Herr Fenske hatte offensichtlich noch nicht ganz realisiert, dass er mit einem hellen Kopf vom Niederrhein sprach, der durchaus imstande ist, weiter als von der Wand bis zur Tapete zu denken. Und die einfach nicht gewillt war, ihm die Geschichten von den „zusätzlichen Sicherungen“, welche „eigentlich gar nicht nötig“ wären und die die KVB „nur Steigerung des subjektiven Sicherheitsgefühls der Kölner“ und aus Liebe zur Domstadt einbauen. Frau Schmick, die sich sonst durchaus in der Gewalt hat, wurde im Verlauf der Fenske’schen Märchenerzählung immer ungehaltener und am Schluss richtig sauer, was für jeden treuen Hörer deutlich zu spüren war. Und der gute Herr Fenske stieg, drücken wir es mal vorsichtig aus, nicht als Punktsieger aus dem Radio-Ring.

Ich habe so das „Jeföhl“, dass wir mit dieser Kölner U-Bahn-Sache noch sehr, sehr viel Spaß haben werden.